{"id":62,"date":"2006-11-09T05:04:39","date_gmt":"2006-11-09T03:04:39","guid":{"rendered":"http:\/\/bennip.de\/?p=62"},"modified":"2006-11-09T17:06:35","modified_gmt":"2006-11-09T15:06:35","slug":"a-23h-day","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/bennip.de\/?p=62","title":{"rendered":"a (23h) day"},"content":{"rendered":"<p>Gegen 19:30 verlasse ich endlich das Projektlabor, das ich diesmal gar nicht so schlecht fand. Liegt vermutlich auch gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178tenteils daran, dass ich meine Vortrag gut \u00c3\u00bcberstanden hab und sehr daf\u00c3\u00bcr gelobt wurde. Das allerdings bedeutet rein gar nichts, denn jeder wird gelobt, egal wie der Vortrag ist. Allein die Tatsache, dass ich ihn nicht noch mal machen muss, oder irgendetwas in irgendeiner Form nachbearbeiten muss, gibt mir Auftrieb. Ich kann mich also ganz auf die vor mir liegende Arbeits-10-Tage-Woche konzentrieren. Apropros arbeiten. Ich bin um 19:30 der Erste der geht, schon zum zweiten mal, hab&#8216; aber keine Probleme das zu rechtfertigen und somit auch kein schlechtes Gewissen den anderen gegen\u00c3\u00bcber. Da ich zwischen Uni und Arbeit nicht nach Hause kann, w\u00c3\u00a4hle ich einen un\u00c3\u00bcblichen Fahrtweg. Er l\u00c3\u00a4sst mich die S-Bahn am Alex verlassen, die zur offensichtlichen prime-time von Obdachlosenmagazinen auf den letzten 3 Stationen gleich 3 mal heimgesucht wurde, und f\u00c3\u00bchrt \u00c3\u00bcber die U2 zur Sch\u00c3\u00b6nhauser Allee. Noch w\u00c3\u00a4hrend die U-Bahn am Alex einf\u00c3\u00a4hrt, denke ich mir, wie gut, dass ich in einem Land lebe, in dem die Undergroundtrains absolut sicher sind und zudem nicht von extra Personal vollgestopft werden m\u00c3\u00bcssen. Daf\u00c3\u00bcr sind unsere meist v\u00c3\u00b6llig \u00c3\u00bcberheizt. &#8222;Viel fehlt nicht mehr&#8230;&#8220; denke ich an meinem Platz, wende meinem Blick von einem &#8222;Verhalten in Brandf\u00c3\u00a4llen&#8230;&#8220;-Schild ab und zieh&#8216; erstmal meine Jacke aus. Mein Blick f\u00c3\u00a4llt auf das Berliner Fenster. Berlins Fenster befinden sich offensichtlich gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178tenteils ans Geb\u00c3\u00a4uden der Regenbogenpress. Die eingestreuten Kurier-Nachrichten sind sterbenslangweilig und zutiefst uninformativ, Selbstbeweihr\u00c3\u00a4uscherungen der BVG (&#8222;Unsere Bussflotte ist auf dem neusten Stand der Technik&#8220;) interessieren mich eben so nicht. Die U-Bahnen sind nicht auf dem neusten Stand der Technik. Ich drifte ab, ohne den Bildschirm aus den Augen zu lassen. Irgendetwas darauf erinnert mich spontan an Anne. Ich werd das Gef\u00c3\u00bchl nicht los, sie k\u00c3\u00b6nnte doch richtig f\u00c3\u00bcr mich sein. Im n\u00c3\u00a4chsten Moment wirbt ein Billigflieger f\u00c3\u00bcr einen 19\u00e2\u201a\u00ac Flug nach M\u00c3\u00bcnchen. Hmm, f\u00c3\u00bcr 19\u00e2\u201a\u00ac zu Julchen? Man k\u00c3\u00b6nnt mal dr\u00c3\u00bcber nachdenken. &#8222;Die Fahrkarten!&#8220;, ich zucke zusammen und registriere das hecktische Taschenkramen um mich herum, &#8222;&#8230; interessieren mich nicht!&#8220;. Damn, ein Motz-Verk\u00c3\u00a4ufer mit Talent. Er legt das ganze Abteil rein, sichert sich so die Aufmerksamkeit und rattert statt dem \u00c3\u00bcblichen Sing-Sang den selben Inhalt in Versform herunter. Respekt &#8211; Geld gibt&#8217;s jedoch keins. Mit 20 Uhr Ankunftszeit bin ich grad noch so p\u00c3\u00bcnktlich auf arbeit. Selbst eine Minute nach offizieller schlie\u00c3\u0178zeit liegt die Chicks-Quote im Center noch absolut, absolut \u00c3\u00bcber Normalniveau. Und ich meine Normalniveau, nicht Normalniveau-ET.<\/p>\n<p>Die gestellten Aufgabe sind leicht zu erledigen. Deko holen, Deko auspacken, Deko anbringen, Deko abnehmen, Deko putzen, Deko anbringen. Das zusammengew\u00c3\u00bcrfelte 3-Aushilfen-Team spielt sich ein. 22:30 treten die ersten Probleme auf. Mein Magen krampft, meine Augen fallen zu, ein dumpfes H\u00c3\u00a4mmern im Kopf, ich hab&#8216; das Gef\u00c3\u00bchl mich jeden Augenblick \u00c3\u00bcbergeben zu m\u00c3\u00bcssen. In Gedanken qu\u00c3\u00a4le ich mich durch die noch anstehenden sechseinhalb Stunden. Meine Wochenplanung mit Arbeit, Uni, Sport schrumpft sofort auf Arbeit &#038; Schlafen zusammen, drau\u00c3\u0178en beginnt&#8217;s zu regnen. Jeden den ich nach Rat zum Arbeiten fragte, meinte, ich mute mir zuviel zu. Arbeit und Leben, das traut mir keiner zu. Niemand sieht allerdings auch den Mangel an Wahlm\u00c3\u00b6glichkeiten. Letzten Monat war ich pleite, kein Baf\u00c3\u00b6g, Mittellos. Ich musste Verabredungen absagen, Einkaufen einstellen &#8211; die totale H\u00c3\u00b6lle. Nun hab&#8216; ich die Chance diesem Zustand durch 10 Tage hardcore-arbeiten f\u00c3\u00bcr lange Zeit zu entkommen. How would you choose?<br \/>\nIch erinnere mich an Rainers Worte, ich solle darauf achten, genug zu essen und rechne die Zeit aus, die das letzte Essen her ist. Mensaessen: vor 11 Stunden. 10 Minuten sp\u00c3\u00a4ter sitze ich im Pausenraum und kaue einen D\u00c3\u00b6ner hinunter. Weitere 10 Minuten sp\u00c3\u00a4ter kann ich wieder klar sehen. Der D\u00c3\u00b6ner wirkt Wunder. Offenbar wurde das fleischliefernde Tier mit ausreichend Antibeautikas behandelt, um auch meine Kopfschmerzen zu vertreiben. Der absolute Tot-Punkt (Pt) ist um 12:02 erreicht. Von da an geht es steil bergauf. Die Arbeit wird noch einfacher und die erste sch\u00c3\u00b6ne Deko-Fl\u00c3\u00a4che ist fertig. Muter, ja sogar Heiter passt als Beschreibung auf meine Laune; Reini w\u00c3\u00bcrde sich gest\u00c3\u00b6rt f\u00c3\u00bchlen. Der Regen hat l\u00c3\u00a4ngst aufgeh\u00c3\u00b6rt. Um 3:30 gibt es in ermangelung einer 15-Meter-Hebeb\u00c3\u00bchne keine Aufgaben mehr. Wir d\u00c3\u00bcrfen uns 4 Uhr einschreiben und sind entlassen. &#8222;N\u00c3\u00bctzt dir sowieso nix, die n\u00c3\u00a4chste Bahn kommt eh erst um 4.&#8220; Was ich f\u00c3\u00bcr einen Scherz hielt best\u00c3\u00a4tigt sich schon wenige Minuten sp\u00c3\u00a4ter. Statt 30 Minuten auf einen 15 Minuten Fahrtweg zu warten, beschlie\u00c3\u0178e ich einen 35 min\u00c3\u00bctigen Umweg anzutreten. Der Weg f\u00c3\u00bchrt mich \u00c3\u00bcber einem \u00c3\u00bcberaus freundlichen Busfahrer, der sogar die Anschlusszeiten anderer Linien auswendig kann am Papiertiger vorbei. Der Ort an dem ich&#8230; wie sag ich&#8217;s am Besten&#8230; das letzte mal freundlichen K\u00c3\u00b6rperkontakt auf Beziehungsebene zu Franzi hatte. Auch wenn es eigentlich unmissverst\u00c3\u00a4ndlich war, sag ich&#8217;s lieber nochmal: da lief&#8216; nix unanst\u00c3\u00a4ndiges in dem Laden, ich meinte eher so Sachen wie kurze K\u00c3\u00bcsse, sanfte Ber\u00c3\u00bchrungen im Vorbeigehen&#8230; well, that&#8217;s absolutly not the point&#8230; aber w\u00c3\u00a4hrend ich an die Scheibe gelehnt genau an solche Dinge zur\u00c3\u00bcckdenke, stelle ich mehr oder weniger schockiert fest, dass ich wahrscheinlich immer noch nicht nein sagen k\u00c3\u00b6nnte, wenn sie fragen w\u00c3\u00bcrde&#8230; Der Rest des Heimwegs ist unkompliziert, unspektakul\u00c3\u00a4r. Bis auf die 3 besoffenen Jugendlichen, die jede Station denken, sie m\u00c3\u00bcssten aussteigen, aber sofort wieder einsteigen, weil sie doch falsch sind, w\u00c3\u00a4hrend sie immer wieder betonen, wie wenig sie es fassen k\u00c3\u00b6nnen, im &#8222;gro\u00c3\u0178en Berlin, der verfickten Hauptstadt&#8220; zu sein. Mir gegen\u00c3\u00bcber sitzt eine blonde Frau. Wir schmunzeln \u00c3\u00bcber die 3. Sie hat sch\u00c3\u00b6ne Sommersprossen und tolle Haare, ihr ganzes Gesicht hat irgendwas einnehmendes. Sie l\u00c3\u00a4chelt. W\u00c3\u00a4re Tag, w\u00c3\u00bcrde die Sonne scheinen.<\/p>\n<p><img width=\"500\" id=\"image63\" alt=\"schnuppe.jpg\" src=\"http:\/\/bennip.de\/wp-content\/uploads\/2006\/11\/schnuppe.jpg\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gegen 19:30 verlasse ich endlich das Projektlabor, das ich diesmal gar nicht so schlecht fand. Liegt vermutlich auch gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178tenteils daran, dass ich meine Vortrag gut \u00c3\u00bcberstanden hab und sehr daf\u00c3\u00bcr gelobt wurde. Das allerdings bedeutet rein gar nichts, denn jeder wird gelobt, egal wie der Vortrag ist. Allein die Tatsache, dass ich ihn nicht noch &#8230; <a title=\"a (23h) day\" class=\"read-more\" href=\"http:\/\/bennip.de\/?p=62\" aria-label=\"Mehr dazu unter a (23h) day\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[9],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/bennip.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/62"}],"collection":[{"href":"http:\/\/bennip.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/bennip.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/bennip.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/bennip.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=62"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/bennip.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/62\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/bennip.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=62"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/bennip.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=62"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/bennip.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=62"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}