a (23h) day

Gegen 19:30 verlasse ich endlich das Projektlabor, das ich diesmal gar nicht so schlecht fand. Liegt vermutlich auch größtenteils daran, dass ich meine Vortrag gut überstanden hab und sehr dafür gelobt wurde. Das allerdings bedeutet rein gar nichts, denn jeder wird gelobt, egal wie der Vortrag ist. Allein die Tatsache, dass ich ihn nicht noch mal machen muss, oder irgendetwas in irgendeiner Form nachbearbeiten muss, gibt mir Auftrieb. Ich kann mich also ganz auf die vor mir liegende Arbeits-10-Tage-Woche konzentrieren. Apropros arbeiten. Ich bin um 19:30 der Erste der geht, schon zum zweiten mal, hab’ aber keine Probleme das zu rechtfertigen und somit auch kein schlechtes Gewissen den anderen gegenüber. Da ich zwischen Uni und Arbeit nicht nach Hause kann, wähle ich einen unüblichen Fahrtweg. Er lässt mich die S-Bahn am Alex verlassen, die zur offensichtlichen prime-time von Obdachlosenmagazinen auf den letzten 3 Stationen gleich 3 mal heimgesucht wurde, und führt über die U2 zur Schönhauser Allee. Noch während die U-Bahn am Alex einfährt, denke ich mir, wie gut, dass ich in einem Land lebe, in dem die Undergroundtrains absolut sicher sind und zudem nicht von extra Personal vollgestopft werden müssen. Dafür sind unsere meist völlig überheizt. “Viel fehlt nicht mehr…” denke ich an meinem Platz, wende meinem Blick von einem “Verhalten in Brandfällen…”-Schild ab und zieh’ erstmal meine Jacke aus. Mein Blick fällt auf das Berliner Fenster. Berlins Fenster befinden sich offensichtlich größtenteils ans Gebäuden der Regenbogenpress. Die eingestreuten Kurier-Nachrichten sind sterbenslangweilig und zutiefst uninformativ, Selbstbeweihräuscherungen der BVG (“Unsere Bussflotte ist auf dem neusten Stand der Technik”) interessieren mich eben so nicht. Die U-Bahnen sind nicht auf dem neusten Stand der Technik. Ich drifte ab, ohne den Bildschirm aus den Augen zu lassen. Irgendetwas darauf erinnert mich spontan an Anne. Ich werd das Gefühl nicht los, sie könnte doch richtig für mich sein. Im nächsten Moment wirbt ein Billigflieger für einen 19€ Flug nach München. Hmm, für 19€ zu Julchen? Man könnt mal drüber nachdenken. “Die Fahrkarten!”, ich zucke zusammen und registriere das hecktische Taschenkramen um mich herum, “… interessieren mich nicht!”. Damn, ein Motz-Verkäufer mit Talent. Er legt das ganze Abteil rein, sichert sich so die Aufmerksamkeit und rattert statt dem üblichen Sing-Sang den selben Inhalt in Versform herunter. Respekt – Geld gibt’s jedoch keins. Mit 20 Uhr Ankunftszeit bin ich grad noch so pünktlich auf arbeit. Selbst eine Minute nach offizieller schließzeit liegt die Chicks-Quote im Center noch absolut, absolut über Normalniveau. Und ich meine Normalniveau, nicht Normalniveau-ET.

Die gestellten Aufgabe sind leicht zu erledigen. Deko holen, Deko auspacken, Deko anbringen, Deko abnehmen, Deko putzen, Deko anbringen. Das zusammengewürfelte 3-Aushilfen-Team spielt sich ein. 22:30 treten die ersten Probleme auf. Mein Magen krampft, meine Augen fallen zu, ein dumpfes Hämmern im Kopf, ich hab’ das Gefühl mich jeden Augenblick übergeben zu müssen. In Gedanken quäle ich mich durch die noch anstehenden sechseinhalb Stunden. Meine Wochenplanung mit Arbeit, Uni, Sport schrumpft sofort auf Arbeit & Schlafen zusammen, draußen beginnt’s zu regnen. Jeden den ich nach Rat zum Arbeiten fragte, meinte, ich mute mir zuviel zu. Arbeit und Leben, das traut mir keiner zu. Niemand sieht allerdings auch den Mangel an Wahlmöglichkeiten. Letzten Monat war ich pleite, kein Bafög, Mittellos. Ich musste Verabredungen absagen, Einkaufen einstellen – die totale Hölle. Nun hab’ ich die Chance diesem Zustand durch 10 Tage hardcore-arbeiten für lange Zeit zu entkommen. How would you choose?
Ich erinnere mich an Rainers Worte, ich solle darauf achten, genug zu essen und rechne die Zeit aus, die das letzte Essen her ist. Mensaessen: vor 11 Stunden. 10 Minuten später sitze ich im Pausenraum und kaue einen Döner hinunter. Weitere 10 Minuten später kann ich wieder klar sehen. Der Döner wirkt Wunder. Offenbar wurde das fleischliefernde Tier mit ausreichend Antibeautikas behandelt, um auch meine Kopfschmerzen zu vertreiben. Der absolute Tot-Punkt (Pt) ist um 12:02 erreicht. Von da an geht es steil bergauf. Die Arbeit wird noch einfacher und die erste schöne Deko-Fläche ist fertig. Muter, ja sogar Heiter passt als Beschreibung auf meine Laune; Reini würde sich gestört fühlen. Der Regen hat längst aufgehört. Um 3:30 gibt es in ermangelung einer 15-Meter-Hebebühne keine Aufgaben mehr. Wir dürfen uns 4 Uhr einschreiben und sind entlassen. “Nützt dir sowieso nix, die nächste Bahn kommt eh erst um 4.” Was ich für einen Scherz hielt bestätigt sich schon wenige Minuten später. Statt 30 Minuten auf einen 15 Minuten Fahrtweg zu warten, beschließe ich einen 35 minütigen Umweg anzutreten. Der Weg führt mich über einem überaus freundlichen Busfahrer, der sogar die Anschlusszeiten anderer Linien auswendig kann am Papiertiger vorbei. Der Ort an dem ich… wie sag ich’s am Besten… das letzte mal freundlichen Körperkontakt auf Beziehungsebene zu Franzi hatte. Auch wenn es eigentlich unmissverständlich war, sag ich’s lieber nochmal: da lief’ nix unanständiges in dem Laden, ich meinte eher so Sachen wie kurze Küsse, sanfte Berührungen im Vorbeigehen… well, that’s absolutly not the point… aber während ich an die Scheibe gelehnt genau an solche Dinge zurückdenke, stelle ich mehr oder weniger schockiert fest, dass ich wahrscheinlich immer noch nicht nein sagen könnte, wenn sie fragen würde… Der Rest des Heimwegs ist unkompliziert, unspektakulär. Bis auf die 3 besoffenen Jugendlichen, die jede Station denken, sie müssten aussteigen, aber sofort wieder einsteigen, weil sie doch falsch sind, während sie immer wieder betonen, wie wenig sie es fassen können, im “großen Berlin, der verfickten Hauptstadt” zu sein. Mir gegenüber sitzt eine blonde Frau. Wir schmunzeln über die 3. Sie hat schöne Sommersprossen und tolle Haare, ihr ganzes Gesicht hat irgendwas einnehmendes. Sie lächelt. Wäre Tag, würde die Sonne scheinen.

schnuppe.jpg

-.-

eigentlich zutiefst inkonsequent von mir, dass unter entertainment einzuordnen…

darf galileo eigentlich alle mtv-sendungen kopieren?? erst der ultra schlechte und total langweilige braniac abklatsch und heute pimp my ride für anspruchslose? denkt da auch mal einmal jemand an die kinder??

zitate

Berliner Zeitung, Montag 23. Oktober

Seite 32

Unter der Ãœberschrift “Handeln, nicht tanzen” findet man die unter-Ãœberschrift “Ãœberraschend spaßfreier Lesben-Politrock aus San Francisco: Erasa Errata spielten im Festsaal Kreuzberg”

So muss ein Artikel anfangen, damit er von mir komplett ignoriert wird :-) Na ja, aber die geniale Einleitung ist ‘n Blogeintrag wert. Wer ihn trotzdem lesen möchte:

HIER!

Worlds of Warcraft – Fazit

So war das ja eigentlich gar nicht geplant. Ich hatte mir am Anfang überlegt, einen täglichen Erlebnisbericht zu schreiben, möglicherweise sogar in Rollenspielform. Aber daraus ist nichts geworden. Und wer ist Schuld daran? Das Spiel selbst! Vom ersten Augenblick an, nimmt es einen Gefangen, saugt freie Zeit ab und beschäftigt den Geist noch weiter, selbst wenn der PC nicht mehr mit Strom versorgt wird. Der ausgedehnte Bericht bleibt also aus; es folgt, da die 10 Tage nun um sind, ein Abschlusskurzresumee in 4 Punkten.

Die Technik

… ist gelungen. Gute Grundvoraussetzungen hat mein PC zwar geschaffen, trotzdem war ich mir nicht sicher, ob es gut und vor allem flüssig laufen würde. Es lief perfekt soweit, selbst die Ladezeiten hielten sich in Grenzen. Ich gebe zu, ich habe nicht ein einziges Mal auch nur versucht, an der Grafik was zu ändern, denn ich war so schon beeindruckt genug. Models und Characktäre sind genauso flüssig und liebevoll animiert, wie die Landschaft. Einzeln betrachtet (siehe Screenshots) wirken Blätter und Gräser zwar recht kantig und hingeklatscht, doch in der Bewegung wirkt alles stimmig und bietet eine atmosphärische Kulisse.

Die Welt

…ist einfach nur riesig. Ich hab’ keinen Plan, wie viel Prozent ich in 10 Tagen gesehen hab, aber ich würd auf irgendwas unter 3 (drei) Prozent tippen. Natürlich resultieren aus der großen Welt manchmal ungehäure Laufwege, aber wenn man einmal herausgefunden hat, wie man mit Greifen fliegen kann, dann wird das zurücklegen großer Entfernungen zum Kinderspiel. Ich würde dieser unheimlich kreativen Welt auch Abwechslungsreichtum unterstellen, allerdings sind 2 nahezu komplett erkundete Gebiete (Westfall & der Wald von Elwynn) mit jeweils Grasland und Steppe dafür noch kein wirkliches Indiz.

Die Möglichkeiten

… sind vielfältig. Von der Auswahl des Charackters über die Ergreifung von Berufen, das Züchten von Haustieren, das Lernen von Skills, die Art der Erfahrungssammlung, den unzähligen, abermillionen von Quests bis hin zum Geld verdienen, Items sammeln & Handeln oder Welten-sight-seeing… Es ist einfach alles drin. Unglaublich!

Die Community

… ist das dicke Plus von WoW! Durch Zufall startete ich meinen Charackter auf einem Server, der erst weniger Stunden alt war. Das führte dazu, das die erste Gebiete prall mit Spielern gefüllt waren, die, unabhängig von ihrer Erfahrung in WoW, ebenfalls grade einen neuen Charackter zu Spielen begannen. Während es in den ersten Quests dadurch zu massiven Behinderungen untereinander kam, stellte es sich im späteren Spielverlauf als dicker Bonus heraus, denn es waren immer Leute zum Fragen stellen oder gemeinsam Questen dabei. Während man im kiddy-verseuchten Warcraft3TFT-Battle.net eigentlich pausen-, sowie grundlos als Noob beschimpft wird und durchaus mal Tips a la “Drück mal Alt und F4, is’n cheat” bekommt, ist die WoW-Community wie ich sie kennengelernt habe, das komplette Gegenteil. In den 10 Tagen, in denen ich mich sehr oft gezwungen sah, mit anderen Leuten zu interagieren, war das schlimmste Statement, das ich bekam, eine knappe Ablehnung zu einer Questbeteiligung. Die meisten Leute waren sehr hilfsbereit, offen für Partys und kompetent bei der Fragenbeantworten/Problemlösung. Sehr postiv fand ich auch, dass wann immer man jemanden ansprach, der nicht offensichtlich afk war, man auch ausnamslos eine Antwort bekam. Vorbildlichst. Ebenso: Spieler sprechen positive Zaubersprüche ungefragt auf vorbeigehende Personen aus.

Tja, und so endet es. Die 10 Tage sind um. Und auch wenn ich mir doch überlegt habe, das Spiel möglicher Weise zu kaufen… es ist doch nichts für mich. Der permanente Geld- und Zeitverlust sind für mich bei allen Vorteilen an und beindruckenden Dingen in WoW überwiegende Argumente.

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Thx to natalie, selem, macha aka ralph (mit ph), Mandy, Mush, Utherian, Talira, Chichi, Locy, Noka (shake it!) & Rage